Schlagwörter
Agonoize, Colony 5, Combichrist, editors, Mera Luna, Placebo, The Others
Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht von Samstag auf Sonntag traf man sich etwas zerknautscht Sonntagmorgen im Gemeinschaftspavillon zum Frühstück. Genug Zeit um zu beratschlagen welche Shows man sich gemeinsam oder auch getrennt ansieht. Das Wetter schien auf jeden Fall schon mal mitzuspielen, denn angesagt war eindeutig Regen. Davon merkte man aber nicht sehr viel, denn das einzige Nass von Oben waren ein paar Tropfen die sich aber häufig mit Sonnenschein abwechselten. Und so sollte es auch den ganzen Sonntag über bleiben.
Als erster Anlaufpunkt sollte an diesem Tag eigentlich The Other dienen, die bereits um 11:35 Ihr Werk auf der Hauptbühne taten. Leider waren wir zur der Zeit noch nicht genug mit Kaffee befüllt um es auf den Platz zu schaffen und hörten so aus einiger Entfernung vor unserem Zelten die düster-punkigen Klänge. Als nächstes hatten wir uns Colony 5 auf die Fahnen geschrieben, aber auch hier schafften wir es nicht rechtzeitig uns aus unseren Anglerstühlen zu erheben. Zu hören war natürlich aus der Entfernung auch nichts da die Syntypopper ihre Show im Hangar absolvierten. Schade eigentlich, aber vielleicht bekommt man ja noch mal die Gelegenheit bei einem Live-Gig in Deutschen Landen.
Unser Tag auf dem Festivalgelände begann mit den letzten Gitarrenriffs von Zeraphine die Ihren dunklen Gothic Rock gewohnt spektakulärfrei über die Bühne brachte, aber damit auch eine große Zahl von Besuchern in Ihren Bann zogen. Wir nutzten die nächsten Stunden um einen weiteren ausgiebigen Spaziergang über den Marktplatz zu machen, um zu sehen was wir am Vortag vielleicht übersehen hatten. Fest steht auch bei mehrmaliger Begehung gibt es immer wieder was Neues zu entdecken.
Nach einiger Zeit des Shoppens führte unser weg dann gegen 16:00 Uhr in den Hangar, wo um 16:05 Agonoize mit ihrer außergewöhnlichen Show auf dem Timetable standen. Wer die drei Berliner schon mal live gesehen hat, der weiß das man nicht in der ersten Reihe stehen sollte, wenn man nicht das starke Bedürfnis verspürt von oben bis unten vollgesudelt zu werden. Mit diesem Hintergrundwissen positionierten wir uns etwas weiter hinter links, um dem Schwall aus Kunstblut und Kunstejakulat zu entgehen. Überzeugen konnte Agonoize wie immer mit einer ausgewählten Setlist, die unter anderem aus den bekannten Songs Schaufensterpuppenarsch, Biss das Blut gefriert, und Staatsfeind bestand. Das alles gepaart mit einer ziemlich kunstblutgeladenen Bühnenshow machte den Auftritt zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.
Nach diesem Industriellen Erlebnis führte uns der Weg erst mal wieder, an vielen Feindflug-Fans vorbei ,nach draußen. Hier sollten nämlich um 17:45 die Editors beginnen. Wir suchten uns also einen schönen Platz auf der Wiese, von wo aus man einen guten Blick auf die Bühne hatte. Ein Vorteil den ich immer wieder beim Méra-Luna schätze, denn wo kann man schon bequem auf der Wiese liegend den Protagonisten zu hören und sehen. Naja es sei denn es schüttet wie aus Kannen, aber da hatten wir ja Glück. Von den Editors war mir bis dato nur der Papillon ein Begriff, da ich ihn mal im Mainstreamradio aufgeschnappt hatte, und ihn auch gar nicht so schlecht fand. Was aber die Darbietung desselben anging, war ich doch recht enttäuscht. Und auch die anderen Titel der Briten konnten nicht wirklich überzeugen. Wie ich hörte wussten die vier selber nicht genau warum sie grade auf diesem Festival spielen sollten. Aber gebucht ist nun mal gebucht.
Da wir es uns grade so schön gemütlich gemacht hatten, beschlossen wir auch die Show von In Extremo von unserem Wiesen-Platz aus zu genießen. Da wir die Mittelalter-Rocker schon das ein oder andere mal in den letzten Jahren live sehen durften und auch seit dem nicht viel Neues zu erwarten war, sparten wir uns das Gedränge vor der Bühne. Nicht viel Neues heiß aber bei In Extremo nicht das sie nicht alles geben würden. Mit großer Feuershow und vielen Extraeinlagen wissen sie genau wie man ein verwöhntes Publikum begeistern kann. Von dieser Show können sich die ein oder anderen mit Sicherheit noch eine Scheibe abschneiden.
Gegen 20 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg in den Hangar wo uns schon viele Combichrist Fans erwarteten. Auch wenn wir die Elektrocombo in der letzten Zeit schön häufiger gesehen haben, zuletzt auf dem Amphi-Festival in Köln, gehören sie zum absoluten Pflichtprogramm. Die Amerikaner, rund um Sänger und Mastermind Andy LaPlegua , wissen wie man es richtig krachen lässt, und ließen auch dieses mal nicht die Gelegenheit aus ein gutes Programm aus ihrem breiten Repartier zu liefern. Get your Bodybeat, What the Fuck is wrong with you und Get out of my Head waren nur einige der Highlights dieser Show, die standesgemäß mit dem wegschmeißen der Trommeln endetet. Wenn das mal nicht ein krönender Abschluss des diesjährigen Méra-Luna war.
Nach ein paar Klängen des Headliners Placebo auf der Hauptbühne, und einer letzten Portion Tortellini von der Pastabude machten wir uns langsam, aber auch ein bisschen traurig, auf den Weg zurück zu unserem Zeltlager. Zwei vollgestopfte Tage Méra-Luna schon wieder vorbei. Nach langen Hin und Her überlegen, ob wir denn nun unser Lager sofort abbauen und den Nachhauseweg antreten sollten, entschieden wir uns für einen gemütlichen Abend vor dem Zelt und eine weitere Nacht darin. Diese Entscheidung wurde uns dann gegen 5:30 am Morgen zum Verhängnis. Denn das Wetter, welches uns das ganze Wochenende wohl gesonnen war und uns ein fantastisches Festivalwetter bescherte, entlud sich in einem dicken Regenschauer der auch erst nach dem Frühstück um ca.10Uhr langsam nachließ. Das hat man dann davon wenn man das Wetter herausfordert. Zum Glück sind außer dem Zelt nicht viele Sachen nass geworden und wir konnten einigermaßen normal am Montagmorgen zusammenpacken und den Heimweg antreten.
Abschließend möchte ich sagen: Nach dem Festival ist vor dem Festival, und so laufen schon die Planungen für das nächste Jahr, bei dem wir mit Sicherheit wieder dabei sind. Nicht unbedingt weil das Line-Up einen vom Hocker haut, Aber weil das Méra.Luna in Hildesheim das entspannteste und gemütlichste Festival ist das ich kenne. Kein Stress und viele Leute die man kennt, und die man nur einmal im Jahr trifft. Auf dem Méra-Luna in Hildesheim.
Der Lycanthrope!

