Anreisetag (Freitag)
Auch wenn es nun schon über zwei Wochen her ist das der Sonic Seducer zum diesjährigen Mera-Luna in Hildesheim geladen hat, so soll der 10jährige Geburtstag des beliebten Festivals auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben.
Ich muss ja gestehen das wir das Mera-Luna auf Grund des Line-ups dieses Jahr einfach unter den Tisch fallen lassen wollten. Aber nach mehrmaligem lesen des selben und weiteren Bestätigungen stieg die Tendenz dann doch bis zum Kartenkauf an. Und so wurde nach einiger Vorbereitungszeit und den lebensnotwendigen Einkäufen am 06.08.2010 der Weg nach Hildesheim eingeschlagen.
Hat man erst mal sein Gepäck aus dem Kofferraum geladen, und ist mit Zelt, Schlafsack und Reisetasche auf dem Weg zum Gelände kommt es einem Vor als wäre man gar nicht weggewesen. Dieses Jahr hatten wir unser Domizil mit einer Gruppe von Bekannten geplant was die Suche nach einem geeigneten Standort etwas vereinfachte. Nach der häuslichen Einrichtung kommt dann auch sehr schnell das richtige Festivalfeeling auf das erst mal mit den ersten Bieren begossen wird.
Den Freitagabend nutzen wir um einen gemütlichen Rundgang über den Platz zu machen, der uns letztendlich auf den
mittelalterlichen Markt führte. Seid nun 2 Jahren ist dieser Teil fester Bestandteil des Rahmenprograms und bietet grade in den Abendstunden eine tolle Kulisse. Mittelalterliche Handwerker wie Schmiede und Buchbinder zeigen ihr Können und bieten ihre Waren zum Verkauf an. Ebenso wird eine Vielzahl leckersten Speisen angeboten die den Platz mit ihren Düften erfüllen. Natürlich darf auch das Met nicht fehlen, oder man ruht sich in der Orient-bar bei einem Zug aus der Wasserpfeife aus und beobachtet das bunte Treiben. Als Kontrastprogramm gab es auch dieses Jahr wieder die Hangerdisco in der Partywütige von namenhaften Djs ordentlich mit Musik versorgt wurden. Wir ließen den Anreisetag mit ein paar kühlen Bierchen, die es Dank dem seid letzten Jahr eingerichteten „Uncle Emma“-Ladens für einen Euro zu kaufen gibt, an unserem Zelt in gemütlicher Runde ausklingen.
Erster Tag (Samstag)
Nach einer kurzen aber überraschender weise sehr ruhigen Nacht erwartete uns am Samstagmorgen strahlender Sonnenschein, und ein sehr viel gefüllterer Zeltplatz als beim Zubettgehen. Der Volle Eindruck sollte uns auch nicht Täuschen denn wie man später lesen konnte wurde dieses Jahr ein Besucherrekord von 24.000 Besuchern erreicht.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Kaffee und dem ersten Bier ging es dann in Richtung Festivalgelände. Auf Grund zu gutem Frühstücks und einer lustigen Runde auf dem Zeltplatz, die meiner Meinung nach das Méra-Luna auch auszeichnet verpassten wir leider die Eröffnung von Unzucht, den Gewinnern des Newcomer Wettbewerbs, und deren Nachfolger Lord oft he Lost. Beim Betreten des Platzes kamen uns noch die letzten Klänge von Rabenschrei zu Ohren die es bereits um halb eins schafften die Besucherschar mit Ihren Mittelalterlichen Rockklängen mitzureißen. Unser erster Termin fand ohnehin im Hangar statt wo um 14:20 Illuminate startete. Da ich die Combo bisher nie Live sehen
konnte, ließen wir uns diese Chance nicht entgehen. Gehüllt in Nebelschwaden und einer großartigen Lichtschau ließen Johannes Berthold und seine drei Mitstreiter die Besucher in Ihre Welt abtauchen und begeisterten das mitsingende Publikum mit Highlight aus mittlerweile 14 Jahren Bandhistorie.
Beim Verlassen de Halle hörten wir dann noch die letzten melancholisch rockigen Töne von Lacrimas Profundere die wie gewohnt das schwarze Volk mit Ihren dunklen Balladen in den Bann zogen. In der Umbaupause zu Samsas Traum genehmigten wir uns die ersten Blicke auf die Auslage der vielen Händler die wie jedes Jahr auf dem Marktplatz zu finden sind. Hätte man sich nicht ein festes Budget gesteckt hätte man das „Taschengeld“ wohl schon am ersten Tag ausgegeben.
Pünktlich um 15:50 waren wir aber an der Hauptbühne zu finden wo Alexander Kaschte und sein Samsas Traum begannen es Rocken zu lassen. Nach dem super Auftritt auf dem Amphi Festival ließ ein Stelldichein auf der Mainstage viel erwarten. Sound und Songtechnisch gab es auch diesmal wieder nichts zu meckern. Name im Kristall und Auf den Spiralnebeln ließen es richtig krachen. Stromausfall im Herzspital und Ein Foetus wie Du konnten auch die Altfans wieder richtig begeistern. Allerdings kam das ganze Optisch nicht richtig zur Geltung da Tageslicht einfach nicht das Richtige für Samsas Traum sind, da konnte die düstere Atmosphäre auf dem Amphiwesentlich besser überzeugen. Nichts desto trotz konnte man diesen Auftritt wieder mal als ein Highlight abstempeln.
Nach einer weiteren ausgiebigen Shoppingtour an den Ständen vorbei und vielen netten Gesprächen mit einigen Bekannten an der Bierbude führte uns der Weg wieder zurück in den Hangar wo um 17:40 Das Ich auf dem Plan stand. Nachdem ich die seid 20 Jahren musizierende Band rund um Bruno Kramm bisher nur im Freien live sehen konnte, versprach ich mir von einer Indoorshow so einiges. Die Vorfreude sollte auch nicht enttäuscht werden. Die 10 Minuten Verspätung wurden durch eine unglaubliche Bühnenshow mit viel Licht und Guten Sounds schnell wieder wett gemacht. Trotz gebrochener Rippe schonte sich Stefan Ackermann kein bisschen und fegte wie ein Verrückter über die Bühne, wobei ihm die Schmerzen oft anzumerken waren, was seiner speziellen Ausstrahlung aber keinen Abbruch tat. So verging knapp eine Stunde Liveaction wie im Flug, und ich kann nur jedem raten sich das einmal live anzusehen.
Nach einer kleinen Verschnaufpause nach diesem wirklich unbeschreiblichen Auftritt blieben wir direkt im Hangar um
uns die Darbietung von Rotersand anzusehen. Die Ruhrpott-elektros begeistern nun schon seid vielen Jahren das Publikum, grade im Bereich EBM, Industrial. Ich kannte die Band bisher nur von Tonträgern wo man sie sich wirklich sehr gut anhören kann oder auch im Club kommen die Jungs aus Gelsenkirchen gut. Live konnten sie für meinen Geschmack nicht wirklich überzeugen. Zu lange Stücke mit wenig Spannung und auf der Bühne war auch nicht viel los. Im Großen und Ganzen eine nette Performance die einen aber nicht wirklich von Socken hauen konnte.
Nach diesem ehr mittelmäßigen Erlebnis ging es wieder raus ins Freie wo mittlerweile die Dämmerung eingesetzt hatte und den Platz rund um die Hauptbühne in eine wunderschön dämmrige Schwärze hüllte. Was wir uns nämlich nicht entgehen lassen wollten war der Auftritt von unserem „Medien Graf“ um 21:00Uhr. Da ich kein großer Freund von Vorurteilen und vorschnellen Verteufelungen bin, wenn mal grade einer, auch im Mainstream Erfolg hat, wollte ich mir den Auftritt von Unheilig nur ungerne entgehen lassen. Fest steht aber trotzdem das der Herr Graf seid geraumer Zeit seine Medienpräsenz ein wenig übertreibt und damit seine „alten“ Fans ein wenig verärgert. Umso mehr hat mich gefreut, dass auch Lieder wie „Sage ja“ oder „Maschine“ gespielt wurden was bei den Konzerten zur „Große Freiheit“ Tour gänzlich vergessen wurde. Was allerdings fehlte war eine Kommunikation mit dem Publikum. Nicht nur das zwischen den Stücken kaum geredet wurde, nein, Der Graf verschwand nach jedem Lied von der Bühne und blieb auch für lange Sekunden einfach verschwunden. Das kannten wir bisher von den Unheiligen Auftritten nicht. Schade, dass hier das Méra-Luna offensichtlich mit The Dome verwechselt wurde. Wir versüßten uns die Zeit mit einem wirklich sehr Leckeren Cocktail von der zentral gelegenen Cocktailbar.
Um 23:00Uhr war es dann so weit. The Sisters Of Mercy. Was soll man da noch zu sagen? Gefühlte 100 Jahre Bandgeschichte, mit großen Hits die heute noch jedes Wochenende in den Clubs gespielt werden. Wie bekannt erwartet einen bei einer Sisters-Show viel Nebel und viel Licht. Trotz des Windes vor der Mainstage schaften es die Nebelmaschinen die Bühne über eine Stunde lange in dichten wabernden Nebel zu hüllen der die Protagonisten nur erahnen ließ. Aber trotz, oder vor allem deswegen war es eine großartige Show, die auch vom Großteil der Besucher verfolgt wurde, was man ja nicht von jedem Headliner sagen kann.
So ging also der erste Tag Méra-Luna mit einer wirklichen Legende zu Ende, und man konnte sich noch lange am Zelt über die verschiedenen Auftritte unterhalten, Spaß haben und das ein oder andere Bier trinken. Bis man müde und erschöpft in seinem Schlafsack dem nächsten Tag entgegen schlummert.
Fortsetzung folgt……




